Warum der Schmerz dein Freund ist

Warum der Schmerz dein Freund ist

Im Artikel Warum echte Entscheidungen das Leben einfacher machen habe ich bereits darüber gesprochen, warum es so wichtig ist, dass du Entscheidungen triffst. Heute wird es darum gehen, warum du dich immer wieder davon abhalten lässt, es auch zu tun.

Das Problem mit einer Entscheidung steckt eigentlich schon im Wort selbst: Wir ent-scheiden. Das bedeutet, wenn wir uns für eine Möglichkeit entscheiden, scheiden (trennen) wir uns damit endgültig von der anderen.
Wenn du dich dazu entscheidest, dich gesund zu ernähren und fitter zu werden, dann musst du dich dafür von unkontrollierten Schlemmereien trennen. Du musst dich von deiner Bequemlichkeit trennen und zum Sport gehen. Kurz gesagt musst du dich von dem Menschen trennen, der du gerade bist.

Aber der Mensch, der du gerade bist, hat es sich so schön gemütlich eingerichtet. Du weißt, was du gern magst, du hast dein Weltbild mit dem du das Leben für dich erklärst und du hast dir all deine schönen Ausreden, getarnt als „Lebensweisheiten“, zurecht gelegt.

Man muss das Leben auch mal genießen können.
Ich möchte mich nicht einschränken, schließlich soll das Leben Spaß machen.
Ich will mich ja nicht selbst geißeln.
Das schmeckt aber so gut.
Wozu sparen? Wenn ich plötzlich sterbe habe ich auch nichts von meinem Ersparten.
Sport? Ach dieser ganze Fitnesswahn ist ja auch nur ein Trend, dem nur Idioten hinterherhecheln, weil es gerade „in“ ist.

Kommt dir der ein oder andere Gedankengang bekannt vor? Das sind Ausreden, die du anderen, vor allem aber dir selbst erzählst.

Nehmen wir den Spaß. Du willst dich nicht einschränken, indem du zum Beispiel sparst oder dich auf eine gesunde Ernährung umstellst. Schließlich macht shoppen Spaß und schlemmen ist soooo lecker. Aber wie spaßig ist es für dich auf Dauer, immer pleite zu sein und dich in deinem Körper unwohl zu fühlen? Vielleicht sogar krank zu werden, weil du immer Rücken- oder Gelenkschmerzen hast? Oder nach jeder Treppe zu schnaufen, als bräuchtest du ein Sauerstoffzelt? Kann es nicht sein, dass dich diese Tatsachen viel mehr einschränken?

Oder das Argument, dass du von deinem Ersparten nicht viel hast, wenn du plötzlich stirbst und du es deshalb auch direkt ausgeben kannst. Du hast also vor, bald zu sterben? Interessant.

Du kannst nicht alles haben

Entweder führst du ein Leben, in welchem du unkontrolliert vor dich hinschlemmst – oder du erarbeitest dir deinen gesunden, fitten Körper in dem du dich wohl fühlst.

Entweder du kaufst dir immer das, wonach dir gerade ist ohne darauf zu achten, ob du dir das leisten kannst oder Schulden machst – oder du kümmerst dich um deine Finanzen.

Entweder du ziehst dir abends bekloppte TV-Sendungen rein, damit du über fremde Menschen lästern kannst, die nicht mal wissen, dass du überhaupt existierst – oder du arbeitest an deiner Vision, verbringst Zeit mit deiner Familie (nicht vor dem Fernseher) oder gehst mal zu diesem Sport, für den du „nie Zeit hast“.

Tatsache ist, dass du dich entscheiden musst. Willst du weiterhin in den Tag hineinschludern und langfristig unglücklich sein, weil du dich mit kurzzeitigen Kicks über Wasser hälst? Oder nimmst du den „Schmerz“ in Kauf, dich von deinem alten Verhalten zu trennen und neue Wege einzuschlagen?

Dezenter Hinweis: Mit deiner bisherigen Taktik bist du an diesem Punkt gelandet. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren.

Schmerz geht vorbei

Warum der Schmerz dein Freund ist

Eric Thomas hätte es passender nicht ausdrücken können:

Pain is temporary. It may last for a minute, or an hour or a day, or even a year. But eventually, it will subside. And something else will take it’s place. If I quit, however, it will last forever. (Eric Thomas)

Er sagt, dass Schmerz nur temporär ist. Er kann eine Minute anhalten, eine Stunde oder einen Tag. Manchmal hält er vielleicht sogar ein Jahr an – aber er geht vorbei und etwas anderes tritt an seine Stelle. Wenn du aber aufgibst, wird er für immer da sein.

Das bedeutet: Ja – du wirst auf all die Lebensmittel verzichten müssen. Auf all den Zucker, das Fett und die Geschmacksverstärker. Und ja – das wird sich für dich auch erstmal beschissen anfühlen. Weil alle anderen in deiner Umgebung das Zeug vermutlich weiter in sich hineinstopfen. Weil das Zeug im Essen, das so lecker ist, auch das Zeug ist, das dich abhängig macht. Was meinst du, wieso es dir so schwer fällt, die Chipstüte zur Seite zu legen? Warum du immer weiter isst, während du gleichzeitig daran denkst, dass dir das hier nicht gut tut? Wieso du dir selbst im vollen Bewusstsein schadest und trotzdem nicht damit aufhören kannst?

Weil der Schmerz, den du dir langfristig damit zufügst, etwas nicht greifbares ist. Du kannst es logisch zuordnen – ja, wenn ich zu viel esse, nehme ich zu und dann fühle ich mich unwohl – aber im Moment des Essens hilft dir deine Logik nicht viel, wenn du gleichzeitig eine kurze Befriedigung erfährst. Denn die momentane Befriedigung wird immer einen stärkeren Einfluss auf dich haben, als der langfristige Schmerz.

Um dein Verhalten zu unterbrechen, musst du dich also auf kurzfristigen Schmerz einstellen – dein Körper macht von diesen Stoffen nämlich einen regelrechten Entzug durch und ein Entzug ist immer unangenehm. Gleichzeitig wird dich dieser Schmerz deiner Befriedigung berauben und das alles für ein Ziel, dass du nicht einmal sofort erreichst. Abnehmen dauert seine Zeit, genau wie sparen oder alle anderen langfristigen Ziele und du wirst für ein Ziel auf viele kurzfristige Befriedigungen verzichten müssen.

Und weißt du, wer damit überhaupt nicht einverstanden ist? Deine innere Bitch. Sie will Spaß und sie will was sie eben will und das sofort. Dass ihr alle vier am Ende nicht glücklich damit seid (du, sie, das Mädchen und die Diva), interessiert sie nicht. Was geht sie das Morgen an? Sie interessiert das Jetzt, das bitteschön so spaßig, einfach und entspannt wie nur irgend möglich sein soll.

Wähle den Schmerz

Wie Eric Thomas bereits sagt: Der Schmerz wird vorbei gehen – wenn du etwas tust. Wenn du die Entscheidung wirklich triffst.

Wie viele echte Entscheidungen hast du denn getroffen, seit du meinen anderen Artikel gelesen hast? Welche wolltest du treffen und welche hast du tatsächlich getroffen? Bei welcher steht hinter deiner „Entscheidung“ noch ein „Aber“ oder ein „Sobald …“?

Nimm dir diese pseudo Entscheidungen vor und reflektiere für dich, warum du noch immer nicht aus dem Arsch gekommen bist, obwohl du dem letzten Artikel eigentlich zugestimmt hattest. Welche Entscheidung hast du immer noch nicht getroffen, obwohl du es wolltest? Vor welchem Schmerz oder Verlust hast du Angst? Kannst du nicht ohne Schokolade leben? Ohne Fleisch? Oder ohne die neueste Mode/Make Up/Handy etc?

Du fällst also tot um, wenn du auf Schokolade verzichtest? Du wirst dann nie wieder glücklich, weil da eine große Leere in deinem Leben ist? Tatsächlich?

Überleg dir mal, was das im Umkehrschluss bedeutet. Wann immer du denkst oder sagst, dass du ohne etwas „nicht Leben“ kannst, machst du dich von dieser Sache abhängig. Du baust dein Leben auf dieser Sache auf und machst sie zu etwas unglaublich Wichtigem.
Möchtest du wirklich, dass dein Leben auf einer bestimmten Schokoladensorte basiert? Oder auf einer Make Up Palette?

Wenn du herausgefunden hast, vor welchem Verlust du Angst hast und wieso, sieh dir dein Ziel an, aufgrund dessen du diese Entscheidung treffen möchtest. Ist es stark genug formuliert? Ist es vor allem wirklich dein Ziel und nicht nur ein übernommenes, weil du glaubst, dass es „so sein muss“?
Arbeite solange an deinem Ziel, bis es für dich so attraktiv ist, dass es auf dich einen tatsächlichen Reiz ausübt.

Und jetzt triff die Entscheidung nochmal und bewusst. Entscheide dich bewusst dafür, auf dein altes Verhalten zu verzichten, um sofort und in dieser Sekunde mit deinem neuen Verhalten zu starten. Nicht morgen, nicht nächsten Montag und auch nicht „sobald xy“. Jetzt. Sofort. 

„Aber ich hab noch Süßigkeiten da, die müssen doch weg“ – Nutze Funktion Mülleimer.
„Aber das kann ich doch nicht wegwerfen, es hat Geld gekostet!“ – Kannst du nicht? Weil du dich von 0,39 Cent bis 3€ von deinem Ziel abhalten lassen willst? Wirklich?
„Aber dieser neue Pulli ist so süß!“ – Findest du deinen Kontostand auch „süß“? Wann hast du ihn dir das letzte Mal angesehen? Vermeidest du es, regelmäßig nachzusehen? Dann frag dich mal, wieso.

Schmerz ist nichts Schlechtes

Wir sind darauf gepolt, Schmerz zu vermeiden, weil wir es als etwas Böses ansehen. Aber das ist es gar nicht. Schmerz ist zuallererst einmal eine Tatsache, wie alles im Leben. Klar, er ist unangenehm, aber das bedeutet nicht, dass er schlecht ist.

Die Funktion eines Schmerzreizes ist es, dich darauf hinzuweisen, dass etwas nicht stimmt. Schmerz spricht mit dir – du bist nur unwillig, zuzuhören.

Du hast Rückenschmerzen – „Hallo, mit deinem Körper stimmt etwas nicht, bitte schenke ihm Aufmerksamkeit.“
Du empfindest Schmerz beim Anblick deines Kontostandes – „Hallo, mit deinem finanziellen Verhalten stimmt etwas nicht, bitte sieh nach.“
Du empfindest Schmerz, wenn du an jemanden denkst – „Hallo, du hast da etwas nicht verarbeitet und es belastet dich, bitte kümmere dich darum.“

Schmerz ist dein Freund und zwar ein guter. Denn er ist nicht da, um dir zu schmeicheln, sondern um dir die Wahrheiten in deinem Leben aufzuzeigen. Wenn er kommt, gibt es ein Problem, um das du dich kümmern solltest. 

Stattdessen vermeidest du den Schmerz und weigerst dich, die Botschaft anzunehmen, die er bringt. Denn im Grunde kennst du die Botschaft schon, du willst sie nur nicht wahr haben. Weil sie in den meisten Fällen eine Veränderung bedeutet und Veränderungen machen Angst. Angst vor falschen Entscheidungen und noch mehr Schmerz. Deshalb entscheidest du dich, den Kopf in den Sand zu stecken und lieber mit der Menge an Schmerz zu leben, die du betäuben, vor der du flüchten kannst. 

Das Problem an der Sache ist nur: Der Schmerz, vor dem du dich versteckst, ist echt. Und er ist immer da. Wohingegen der Schmerz, den du bei einer Veränderung erwartest, nur eingebildet ist. Du läufst vor etwas davon, das du nicht einschätzen kannst und deshalb automatisch mit etwas Negativem verbindest. Dieses Schema kann nur einer auflösen: Du selbst. Denn du selbst bist die Person, die es erschaffen hat.

Mit den Infos, die du jetzt hast, kannst du deine Angst aber angehen und deine Ausreden als das entlarven, was sie sind: Die Furcht vor Veränderung. Du kannst die Denkfallen, in die du getappt bist, umgehen und Schmerz zukünftig nicht mehr als etwas Schlechtes, sondern als Wegweiser wahrnehmen. 

Du bist dran: Vor welchen Entscheidungen, die du treffen wolltest, drückst du dich immer noch? Wieso? Ohne was kannst du angeblich „nicht Leben“ und wie wahrscheinlich ist es, dass du ohne diese Sache morgen tot umfällst oder kreuzunglücklich wirst? Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn du diese Entscheidung tatsächlich triffst? Und – viel wichtiger – was kann bestenfalls passieren, wie wirst du dich fühlen, wenn du dein Ziel tatsächlich erreichst?

 



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