Warum heute und nicht morgen

Warum heute und nicht morgen

Das kann ich morgen machen. Da hab ich Zeit.

Es gibt da diese Frau. Sie träumt davon, mehr zu sein. Mehr die Person, die sie sein will. Mehr die Person, die reist. Die das tut, was sie liebt. Die in ihrem Traumkörper steckt. Die Frau, die endlich mal genügend Geld zur Verfügung hat. Sie weiß sogar schon ungefähr, wohin sie will. Was sie aus ihrem Leben machen möchte. Aber nicht so ganz genau. Nur so … ungefähr.

Seit wann sie träumt? Seit Jahren. Jahrzehnten. Schon ihr ganzes Leben lang.

Ihre Wünsche, Hoffnungen und Träume sind wichtig. Weil sie wichtig ist. Sie ist eine ganz wunderbare Person. Witzig, freundlich, loyal, gefühlvoll. Jemand, der es verdienen würde, all das zu erreichen, was sie sich wünscht.

Und sie arbeitet an ihren Träumen. An ihren Zielen. Aber nicht so ganz genau. Nur so … ungefähr.

Morgen dann. Ganz bestimmt.

Die Träume und Ziele sind da. Aber heute kann sie nicht daran arbeiten. Weil sie müde ist. Der Tag war wirklich anstrengend. Außerdem fühlt sie sich ein wenig kränklich. Deshalb sollte sie sich besser ausruhen heute. So wie gestern. So wie in den letzten Monaten. Aber morgen wird sie anfangen. Ganz bestimmt.

Heute ist morgen. Aber jetzt ist das Jahr ja bald zu Ende, da braucht sie auch nicht mehr loslegen. Lieber startet sie mit dem neuen Jahr dann richtig durch. Ganz bestimmt.

Andererseits muss sie jetzt auch arbeiten gehen. Das wird wieder anstrengend. Unter der Woche geht es also nicht. Aber am Wochenende dann. Ganz bestimmt.

Auch, wenn sie das Wochenende dann nutzen muss, um mal richtig zu schlafen, um mal richtig auszuspannen. Das braucht sie. Aber nächste Woche legt sie dann los. Macht regelmäßig etwas für ihre Ziele, damit es sich nicht für das Wochenende aufstaut. Ganz bestimmt.

Warst du heute du oder warst du heute „man“?

Vielleicht erkennst du dich in dieser Frau wieder. Vielleicht erkennst du eine Freundin wieder. Vielleicht erkennst du sogar mich wieder. Ich erkenne mich darin. Und ich erkenne auch Menschen um mich herum in dieser Frau.

In unserem Leben bringen wir viel Kraft dafür auf, das Morgen zu planen. Uns auf unsere freie Zeit zu freuen, in der wir endlich tun können, was wir wollen. Weil wir am Wochenende oder im Urlaub, endlich „leben“ können. Und dann pressen wir so viele Aktivitäten, Freunde und Partys in diese kostbare Zeit, wie wir nur können. So viel, dass uns das, was wir eigentlich lieben sollten, wie eine anstrengende Pflichtveranstaltung vorkommt. Oder wir tun nichts dergleichen. Erledigen nur das Nötigste, zum Beispiel die Hausarbeit und den Einkauf. Und dann schlafen wir. Oder versacken auf Netflix oder im Internet. Weil „man“ ja auch mal ausspannen muss.

„Man“ – das ist diese undefinierbare, graue Masse, die tut, was „man“ eben so tut. Bist du „man“? Oder bist du diese einzigartige, aufregende und spannende Person, die ich in dir sehe? Glaubst du wirklich daran, dass du in dieses Leben geschickt wurdest, um „man“ zu sein?

Und wenn du nicht „man“ bist – wo warst du heute? An diesem ersten Tag im neuen Jahr. An diesem ersten Tag im neuen Monat, dem ersten Tag der neuen Woche? Hast du deine Zeit genossen? Hast du etwas für dich getan? Hast du die erste Aufgabe erfüllt, den ersten Schritt gemacht, um 2018 wirklich zu etwas Besonderem zu machen? Oder warst du damit beschäftigt, „man“ zu sein?

Das Morgen ist eine verlockende Falle

Auch ich bin in diese Falle gestolpert. Oft. Früher bin ich um 3 Uhr früh im Fitnessstudio gewesen, um es vor der Arbeit noch zu schaffen. Weil ich es wollte. Weil ich mich richtig wohl in meinem Körper fühle, wenn ich fit bin und mich gesund ernähre.
Früher habe ich fast jeden Tag geschrieben und meine Bücher regelmäßig veröffentlicht. Ich war so, wie ich sein wollte. Ich war Alice.

Früher warst du mehr…mehrer. Du hast dein Mehrsein verloren. (Der verrückte Hutmacher)

Heute bin ich die Frau, die immer müde ist. Die Frau, die alles „Morgen“ macht und deswegen kaum noch etwas tut. Ich habe eine Community, die irgendwie alleine läuft, weil viele wunderbare Menschen daran mitarbeiten. Ich habe fünf Bücher veröffentlicht, die ich immer mal wieder anstupsen kann. Und ich kenne die richtigen Leute, über die ich hin und wieder ein tolles Angebot bekomme.

Aber das ist nur … trudeln. Ich war mal mehr. Mehr … Alice. Weil ich angefangen habe, an das Morgen zu glauben – und damit aufgehört habe, an mich selbst zu glauben.

Das Morgen ist immer schöner. Es ist unbefleckt. Du hast noch keine Fehler gemacht, keine falschen Entscheidungen getroffen. Morgen bist du immer schöner, schlanker, reicher, erfolgreicher. Verliebter und glücklicher. Morgen bist du immer die Person, die du sein möchtest.
Das Problem ist nur:

Heute bist du nicht die Person, die du eigentlich sein willst. Du bist immer erst morgen diese Person. Aber wenn du das Morgen erreichst, wird es zu einem Heute. (Alice Högner)

Und heute bist du wieder … Es ist ein Teufelskreis, der so verlockend ist, dass du immer wieder Gefahr läufst, hinein zu rutschen. Weißt du, wer dich im Morgen sehen will? Deine innere Bitch. Denn ihr Bestreben ist es, dich in Sicherheit zu wiegen. Mit allen Mitteln. Und solange du im Heute vom Morgen träumst, bist du in Sicherheit. Aber du bist nicht glücklich – weil du auf diesem Wege niemals dein Mehrsein erreichst.

Lebe im Heute

Deswegen ist es wichtig, dass du im Heute lebst. Dass du heute die Person bist, die du sein willst. Dass du heute die Schritte machst, die du machen musst. Es ist völlig unwichtig, wie spät es ist, wenn du das hier liest. Es ist auch völlig unwichtig, welchen Wochentag wir haben oder welchen Monat. Denn du hast nur eine Chance, wirklich das zu erreichen, was du erreichen willst und die zu sein, von der du schon so lange träumst.

Und das ist heute.

Warum heute und nicht morgen



3 thoughts on “Warum heute und nicht morgen”

  • Hey Alice,

    du schreibst mir mal wieder aus der Seele, denn ich erkenne mich in deinen Worten wieder. Ich bin auch jemand, der gerne mal sagt „Mach ich dann morgen!“ und morgen dann ärgere ich mich meistens, dass ich es nicht gleich gemacht habe. Meistens sind es nur Kleinigkeiten, aber sie „morgen“ zu machen erscheint in diesem Augenblick einfach leichter. Obwohl es Quatsch ist, denn ob ich bestimmte Dinge heute oder morgen mache, macht für die Sache als solche gar keinen Unterschied.
    Wenn ich mich dabei erwische, wie ich wieder denke „Machst du eben morgen“, dann frage ich mich, ob es einen Unterschied macht und dann raffe ich mich auf und mache es eben doch gleich. Ich fühle mich hinterher besser, weil ich die Aufgabe nicht aufgeschoben habe. Und das ist ein tolles Gefühl!

    Liebe Grüße
    Juliane

    • Hallo Juliane, danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! 🙂
      Etwas zu erledigen fühlt sich für mich auch immer richtig gut an. Das gibt nochmal so einen Energie-Push und ich bin sehr viel zufriedener. Einfach, weil es erledigt ist und ich es nicht mehr auf der Liste habe.

      Liebe Grüße,
      Alice

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