Einen Roman veröffentlichen – für viele von uns ist das ein lang gehegter Traum!

Egal aus welchem Grund, ob du nach der Anerkennung als veröffentlichter Autor suchst, oder einfach den Drang hast, deine Geschichten in die Welt zu tragen – viele von uns träumen davon, ihren eigenen Roman zu veröffentlichen.

Bevor du dein erstes Buch auf den Markt geworfen hast, fühlt sich das an wie ein phänomenaler Meilenstein, wie der Sieg am Ende eines Fantasy-Abenteuers oder die zufriedenstellende Lösung eines Krimis.

Auch wenn es klischeehaft klingt, gehöre ich zu den Menschen, die schon von klein auf Autorin werden wollten. Als Kind habe ich kurze Texte verfasst, Gedichte geschrieben und mich sogar an Songtexte gewagt.

Später wurde es ernster und ich ging meinen ersten Roman an, diesen riesigen, unglaublichen Meilenstein. Und auch, wenn ich in den letzten paar Jahren einen ganzen Haufen Bücher veröffentlicht habe, bin ich an meinem ersten Roman fast gescheitert.

Was kann bei einer Romanveröffentlichung schon schief gehen?

Alles!

Bei meinem ersten Roman stellten sich mir so viele Hindernisse in den Weg, dass es mich fast in den Wahnsinn trieb:

  • Meine Story wollte nicht rund werden, also habe ich die Hauptperson gewechselt und musste noch einmal von vorn anfangen.
  • Kurz vor der Veröffentlichung fiel mir mein Laptop herunter – und ich hatte damals (2015) noch keine Sicherungen in der Cloud, es war alles auf diesem Laptop und ich musste es mit einer wilden Aktion retten.
  • Das Buchformat, das ich mir ausgesucht hatte, resultierte darin, dass mein Printbuch ungefähr so breit werden würde wie ein dünnes Infoheftchen (wie diese getackerten mit vielleicht 20 Seiten). Das stellten wir natürlich erst fest, als meine Designerin das Print-Cover fertiggestellt hatte. Es war mir soooo unangenehm, sie zu bitten, das Printdesign noch einmal neu zu machen!
  • Die Vorlage von Amazon für den Buchinhalt zur Formatierung war fehlerhaft, sodass das fertige Buch später als falsch gemeldet wurde und ich mir eine korrekte Version organisieren und dann alles ein zweites Mal formatieren musste.
  • Als ich mein Buch hochladen wollte, stellte ich fest, dass ich auf Amazon Steuerunterlagen ausfüllen muss. Auf englisch.

Tatsächlich habe ich irgendwann heulend bei einer Freundin auf der Couch gesessen. Sie brachte mir eine Tasse Tee, eine Katze zum Streicheln und gab mir eine wichtige Aufgabe: Durchatmen.

Nach ein paar Minuten hatte ich mich beruhigt, und wir konnten die Probleme eins nach dem anderen angehen und lösen (praktischerweise war sie auch meine damalige Cover Designerin)  – und schon bald war mein erster Roman auf dem Markt!

Übrigens sah es bei Band 2 dann nicht besser aus. Die Probleme kamen zwar nicht wieder, dafür gab es andere.

  • Ich ließ Figuren am Leben, die eigentlich sterben sollten (weil sie zu cool waren, um sie gleich wieder zu töten), weshalb sich der komplette Plot ab da in Luft auflöste und ich alles neu plotten musste.
  • Meine damalige (und ehemalige) Lektorin schrieb alle ihre Anmerkungen und Änderungen ohne Änderungsverfolgung und ohne Kommentare direkt in den Text. Ich saß 10 Stunden am Stück dran, um die Kommentare aus dem Fließtext heraus zu trennen, damit sie nicht in der Endversion meines Romans stehen. Das war eine super anstrengende Power-Einheit bis tief in die Nacht, weil das Veröffentlichungsdatum sehr nah war und das Korrektorat noch gemacht werden musste.
  • Außerdem ließ sie mich 3 Tage vor der Veröffentlichung mit einem unkorrigierten Roman sitzen, weil sie nach meiner (freundlich-sachlichen) Rückmeldung zu obigem Punkt beleidigt abrauschte. Ein Hoch auf mein gutes Netzwerk, das mir half, sehr kurzfristig einen Ersatz zu finden! Gemeinsam haben wir es in Rekordzeit gerockt und mein Ersatz wurde für viele Jahre meine neue Haupt-Lektorin!

So eine Veröffentlichung kann also verdammt nervenaufreibend sein. Und auch heute, viele Romane später, kann ich davon ausgehen, dass zu jeder Veröffentlichung irgendwas schief läuft. Zum Beispiel hat meine Newsletterliste zu meiner aktuellsten Veröffentlichung von Wings of Fire and Treason die Grätsche gemacht und ich musste mich mit DMARC und DKIM herumschlagen, damit bei den Abonnenten nicht alle meine Mails im Spam landen und niemand mitbekommt, dass ich veröffentlicht habe.

Wie du siehst, ist jede Veröffentlichung eine neue Pralinenpackung von “What the fuck?”.

Wenn du also hoffst, dass Murphy irgendwann gnädiger wird, muss ich dir diesen Zahn leider ziehen. Ich habe aber auch eine gute Nachricht: Mit der Zeit wirst du viel entspannter und gehst die Probleme einfach an. Auch ohne vorherigen Nervenzusammenbruch.

Wie kannst du so eine Romanveröffentlichung überstehen?

Das Schöne an solchen Situationen ist ja, dass man dabei irgendwie auch immer etwas lernt. Bei inzwischen 15 veröffentlichten Büchern unter diversen Pseudonymen habe ich sogar eine ganze Menge gelernt (unter anderem, dass lautes Fluchen und Toben sehr heilsam sein kann, wenn sich die Software wieder mit einem streitet).

Zusammengefasst sind das hier die fünf Punkte, die sich über die Jahre am deutlichsten herauskristallisiert haben und sich auf jede Veröffentlichung übertragen lassen: 

Punkt 1: Lass dich von Rückschlägen nicht unterkriegen

Das ist leichter gesagt als getan, ich weiß. Ein Buch bedeutet immer ein Haufen Arbeit und wenn du dann an einem bestimmten Punkt merkst, dass es so nicht weitergeht und du nochmal einen Haufen Arbeit investieren musst, weil der bisherige Haufen Arbeit jetzt für die Katz ist – das stinkt. Und zwar gewaltig.

Aber auch wenn es dir jetzt endlos und sinnlos erscheint, weiterzumachen, rate ich dir, dich nicht unterkriegen zu lassen. Ärgere dich so richtig, beschwere dich bei deinen Freunden, oder schreibe einen langen Eintrag in dein persönliches Burnbook. Was auch immer dir hilft, um es rauszulassen.

Dann atme tief durch, mache einen Aktionsplan und arbeite die Schritte nacheinander ab. 

Punkt 2: Siehe alles, was schief läuft, als einen Lernprozess an

Vielleicht kennst du den Spruch: “Entweder du gewinnst, oder du lernst.”

Hätte ich bei der Veröffentlichung meines ersten Romans nicht meinen Laptop heruntergeworfen, was “nur” den Bildschirm zerstörte zu einer Zeit, in der ich mit Leuten herumhing, die mir helfen konnten, das zu retten, hätte ich vielleicht nicht gelernt, dass ich besser alles in der Cloud abspeichere. 

Vielleicht hätte ich es dann später auf die harte Tour gelernt mit einem Laptop der wirklich richtig kaputt geht und dem Verlust all meiner Bücher. Das hätte so viel mehr weh getan.

Klar, wenn etwas schief läuft, bist du in der aktuellen Situation erstmal gestresst. Versuche, durchzuatmen und einen Schritt zurückzutreten. Was hast du jetzt in diesem Moment gelernt, was du für die Zukunft anwenden kannst?

Punkt 3: Niemand weiß wer du bist – nutze das aus!

Du wirst Fehler machen. Das ist einfach so. Vermutlich auch ziemlich doofe Fehler und vermutlich auch öffentliche Fehler.

Mein allererstes Buch (ein Sachbuch noch vor meinem ersten Roman) habe ich mit einem richtig hässlichen selbstgemachten Cover in einer hässlichen Schriftart mit einem Zeilenabstand von 1,5 und im A4 Format veröffentlicht!

Und ich bin so so froh, dass ich es vor meinem ersten Roman veröffentlicht habe, denn wie du siehst, habe ich dort alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.

Außerdem bin ich froh, dass mich damals noch kein Schwein kannte und ich dieses “Upsi” einfach unter den Teppich kehren konnte. Unsichtbarkeit in den ersten Jahren ist eine Superpower!

Freue dich über jeden blöden Fehler, den du jetzt machst, wenn noch keiner so richtig zuschaut (oder nur wenige). Je mehr du jetzt lernst, desto entspannter und souveräner bist du später, wenn die erste Million reinkommt.

Punkt 4: Atme und Schreibe (per Hand)

Ich habe es jetzt schon ein paar Mal erwähnt, aber es ist so wichtig, dass es einen eigenen Punkt braucht. Wenn etwas schief läuft: Atme.

Mache einen Schritt zurück, atme tief durch und dann schnappe dir Stift und Papier und schreibe auf, was das Problem ist. Mir fällt es immer leichter, ins Sachliche zu rutschen, wenn ich etwas handschriftlich notiere, als wenn ich darüber spreche. Das Schreiben via Hand zwingt dich dazu, deine Gedanken zu verlangsamen und dadurch ist es einfacher, die Emotionen rauszunehmen.

Hast du das Problem zu Papier gebracht, überlege dir, was du tun kannst, um es zu lösen. Jemanden Fragen? Irgendetwas recherchieren? Gibt es konkrete Schritte, die du angehen kannst? 

Punkt 5: Bitte um Hilfe!

Ein Buch zu veröffentlichen ist immer eine Team-Angelegenheit. Ich habe sowohl im Verlag, als auch im Selfpublishing veröffentlicht und in beiden Fällen arbeite ich mit mindestens einer Lektorin oder Testleserin, einer Korrektorin, einer Cover-Designerin und ein paar Freundinnen, die sich meinen ganzen Kram anhören müssen, während ich das Ding schreibe. 

Ich arbeite nie allein!

Ein gutes Team zu haben, ist unglaublich wichtig. Und zwar ganz gleich, ob dir dein Verlag das Team stellt oder du dir ein eigenes zusammen suchst.

Und wenn du schon ein Team hast, das dir zur Seite steht: Nutze es! Bitte um Hilfe, wenn du mal nicht weiter kommst. Suche dir jemanden, mit dem du eine schwierige Szene durchsprechen kannst. Oder mit dem du Ideen-Ping Pong spielst, wenn du frische Inspiration brauchst. Der dir hilft, deine Cover-Entscheidungen zu treffen, oder der weiß, wie man mit der blöden Software kämpft, die sich gerade mit dir streitet.

Egal, was es ist, irgendjemand kennt immer die Antwort. Du musst es nicht allein tun.

Zusammenfassung

  • Lass dich nicht unterkriegen, auch wenn es mal düster aussieht
  • Versuche immer herauszufinden, was du wertvolles gelernt hast
  • Nutze aus, dass du in deinen Anfangsjahren unsichtbar bist!
  • Atme durch und schreibe einen Aktionsplan
  • Suche dir Hilfe – du musst nicht alles allein machen

Das sind die wichtigsten Punkte, die ich über die Jahre gelernt habe, was das Thema Veröffentlichungen angeht. Was ist mit dir? Hast du noch weitere Learnings, die du mit uns teilen möchtest? Dann schreibe sie gern in die Kommentare, ich freue mich schon auf unseren Austausch!